PFAS Filter Check

PFAS in Willich-Anrath: Trinkwasser, Aktivkohlefilter und Messwerte 2026

Verfasst von Michael Sack, Betreiber von PFAS Filter Check · Letzte Aktualisierung: 25. August 2026

Willich am Niederrhein ist einer der wenigen deutschen PFAS-Fälle, bei dem die Trinkwassergewinnung selbst betroffen war — und zugleich einer der am besten dokumentierten: Seit Januar 2026 filtert das Wasserwerk Anrath-Darderhöfe mit Aktivkohle, und die Stadtwerke veröffentlichen konkrete Messwerte. Dieser Artikel fasst den aktuellen Stand zusammen.

Kurz zusammengefasst

Das Trinkwasser für Willich und Meerbusch-Osterath wird seit dem 26. Januar 2026 über Aktivkohle gefiltert. Der veröffentlichte Wert vom 23. Februar 2026 liegt bei 7 ng/l Summe PFAS-20 — rund sieben Prozent des Grenzwerts von 100 ng/l. Laut Kreis Viersen kann das Wasser bedenkenlos genutzt werden. Die Belastung im Grundwasser bleibt langfristig bestehen. Wer zusätzlich vorsorgen möchte, findet im PFAS-Filter-Finder eine passende Empfehlung.

Wie kam es zur Belastung? Illegal entsorgte Löschmittel

Im August 2023 wurden PFAS erstmals im Grundwasser der Wassergewinnung Anrath festgestellt. Anders als in Altötting oder Manching steht am Anfang keine jahrzehntelange industrielle Nutzung, sondern eine Straftat: Nach Feststellungen der Stadt und des Gerichts hatte ein auf Feuerlöscherentsorgung spezialisiertes Unternehmen zwischen Januar 2020 und Juni 2024 tonnenweise PFAS-haltige Löschmittel illegal angenommen, gelagert, behandelt und entsorgt. Anfang Januar 2026 wurden zwei Männer wegen schwerwiegender Umweltstraftaten zu jeweils zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.

Ist mein Leitungswasser heute noch betroffen?

Nein — für das aufbereitete Trinkwasser gibt es hier eine ungewöhnlich klare Datenlage. Seit dem 26. Januar 2026 läuft im Wasserwerk Anrath-Darderhöfe eine Aktivkohlefiltration mit acht Behältern zu je 16 Tonnen Aktivkohle. Die Stadtwerke Willich haben am 23. Februar 2026 folgende Werte für das aufbereitete Trinkwasser veröffentlicht:

PFAS-Messwerte im aufbereiteten Trinkwasser Willich, Stand 23. Februar 2026
ParameterMesswertGrenzwert
Summe PFAS-207 ng/l100 ng/l (seit 01/2026)
PFOSunter 1 ng/lTeil der Summe PFAS-4 (20 ng/l ab 2028)

Quelle: Stadtwerke Willich, Veröffentlichung vom 23. Februar 2026. Messwerte sind Momentaufnahmen — den jeweils aktuellen Stand veröffentlichen die Stadtwerke fortlaufend.

Aktuelle Entwicklungen 2025/2026

Was kannst du als Haushalt tun?

  1. Aktuelle Werte der Stadtwerke im Blick behalten — Willich veröffentlicht die PFAS-Werte des aufbereiteten Trinkwassers fortlaufend. Das ist deine verlässlichste Informationsquelle, besser als jede allgemeine Einschätzung.
  2. Bei eigenem Brunnen: separat testen lassen. Die Aktivkohlefiltration im Wasserwerk gilt ausschließlich für das öffentliche Netz — privates Brunnenwasser aus dem belasteten Grundwasserkörper ist davon nicht erfasst.
  3. Passenden Filter wählen: Unser PFAS-Filter-Finder empfiehlt dir basierend auf Nutzung und Budget einen geeigneten Filtertyp — siehe auch unseren Vergleich Aktivkohle oder Umkehrosmose.

Welcher Filter passt für Willich?

Für die meisten Haushalte in Willich: Aktivkohlefilter. Mit 7 ng/l Summe PFAS-20 liegt das aufbereitete Trinkwasser weit unter dem Grenzwert — dein Versorger filtert bereits mit Aktivkohle. Ein zusätzlicher Haushaltsfilter ist hier keine Notwendigkeit, sondern eine bewusste Extra-Vorsorge; ein guter Blockkohlefilter reicht dafür aus.

Anders sieht es aus, wenn du einen eigenen Brunnen im belasteten Grundwasserkörper nutzt: Dort greift die Aufbereitung des Wasserwerks nicht. In diesem Fall solltest du das Wasser testen lassen und eine Umkehrosmose-Anlage einplanen, die auch kurzkettige PFAS zurückhält.

Wichtig: Diese Einschätzung beruht auf der bekannten Belastungssituation der Region, nicht auf einer Messung an deiner Adresse. Den verlässlichsten Wert liefert die kostenlose Trinkwasseranalyse deines örtlichen Wasserversorgers. Diese Seite ersetzt keine medizinische oder behördliche Beratung.

Häufige Fragen

Ist das Trinkwasser in Willich heute noch PFAS-belastet?

Seit dem 26. Januar 2026 läuft im Wasserwerk Anrath-Darderhöfe eine Aktivkohlefiltration. Bei einer Veröffentlichung der Stadtwerke Willich vom 23. Februar 2026 lag die Summe PFAS-20 im aufbereiteten Trinkwasser bei 7 ng/l, PFOS bei unter 1 ng/l. Der seit Januar 2026 geltende Grenzwert von 100 ng/l wird damit deutlich eingehalten — der Messwert entspricht rund sieben Prozent des Grenzwerts. Laut Kreis Viersen entspricht das Trinkwasser für Willich und Meerbusch-Osterath der Trinkwasserverordnung und kann bedenkenlos genutzt werden.

Woher stammte die PFAS-Belastung in Willich-Anrath?

PFAS wurden im August 2023 erstmals im Grundwasser der Wassergewinnung Anrath festgestellt. Nach Feststellungen der Stadt und des Gerichts stammte die Belastung von illegal entsorgten PFAS-haltigen Löschmitteln: Ein auf Feuerlöscherentsorgung spezialisiertes Unternehmen hatte zwischen Januar 2020 und Juni 2024 tonnenweise Löschmittel illegal angenommen, gelagert, behandelt und entsorgt. Anfang Januar 2026 wurden zwei Männer wegen schwerwiegender Umweltstraftaten zu jeweils zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.

Ist das Problem mit dem Aktivkohlefilter dauerhaft gelöst?

Das Trinkwasser ist durch die Filtration abgesichert, die Ursache im Untergrund aber nicht beseitigt. Die Grundwasserbelastung bleibt langfristig bestehen; der Kreis Viersen erarbeitet ein Sicherungs- und Sanierungskonzept für den Schadensherd. Die Filteranlage verursacht laufende Kosten von rund 200.000 Euro pro Jahr bei Investitionskosten von etwa 1,4 Millionen Euro. Die Stadtwerke bereiten eine Schadenersatzklage gegen die Verursacher vor.

Andere betroffene Regionen

Weitere behördlich dokumentierte PFAS-Fälle in Deutschland: der Landkreis Altötting (Chemiepark Gendorf), Rastatt und Baden-Baden (belastete Ackerflächen), der Flugplatz Manching und Düsseldorf (jeweils Löschschaum).

Quellen