PFAS in Düsseldorf: Trinkwasser, Gartenbrunnen-Verbot und Flughafen-Altlast 2026
Verfasst von Michael Sack, Betreiber von PFAS Filter Check · Letzte Aktualisierung: 25. August 2026
Düsseldorf ist einer der wenigen Großstadt-PFAS-Fälle in Deutschland — mit einer klaren Besonderheit: Das Leitungswasser gilt laut Stadt als unbedenklich, während private Gartenbrunnen in den betroffenen Gebieten bis 2035 nicht genutzt werden dürfen. Dieser Artikel erklärt, warum beides gleichzeitig stimmt und was das für Haushalte in Lohausen, Kaiserswerth und Umgebung bedeutet.
Kurz zusammengefasst
Das öffentliche Leitungswasser ist laut Landeshauptstadt Düsseldorf nicht PFAS-belastet. Belastet ist das oberflächennahe Grundwasser in Düsseldorf-Nord — deshalb gilt dort ein Nutzungsverbot für Gartenbrunnen bis zum 30. April 2035. Wer trotzdem zusätzlich vorsorgen möchte, findet im PFAS-Filter-Finder eine passende Empfehlung.
Wie kam es zur Belastung? Löschschaum am Flughafen
Entdeckt wurden die PFAS 2007 im Rahmen der routinemäßigen Grundwasserüberwachung. Auf dem Flughafengelände hat die Stadt anschließend mindestens vier Eintragsbereiche identifiziert: ein ehemaliges Feuerlöschübungsbecken, die Unfallstelle einer Atlas-Air-Frachtmaschine, die Feuerwache Nord und ein Tanklager. Gemeinsamer Nenner ist der Einsatz PFAS-haltiger Löschschäume — dieselbe Ursache wie an vielen anderen Flug- und Militärstandorten. Weitere Flächen werden noch untersucht; insgesamt dokumentiert die Stadt drei größere PFAS-Grundwasserverunreinigungen im Stadtgebiet.
Leitungswasser oder Gartenbrunnen? Der entscheidende Unterschied
Für Düsseldorf ist diese Unterscheidung wichtiger als in fast jedem anderen PFAS-Fall, weil beide Aussagen gleichzeitig gelten:
- Öffentliches Leitungswasser: Die Stadt erklärt ausdrücklich, das Wasser aus dem Netz sei nicht PFAS-belastet und könne unbedenklich verwendet werden. Für das Wasserwerk Kaiserswerth gibt sie an, der PFAS-Vorsorgewert sei stets deutlich unterschritten worden. Ein veröffentlichter PFAS-20-Zahlenwert für 2026 liegt uns nicht vor — wir nennen deshalb bewusst keine Zahl.
- Privates Gartenbrunnenwasser: Hier gilt das Gegenteil. Dieses Wasser durchläuft keine Aufbereitung und stammt direkt aus dem belasteten oberflächennahen Grundwasser. In den ausgewiesenen Belastungsgebieten darf es nicht verwendet werden.
Zu konkreten Einzelmesswerten im Grundwasser hält sich die Stadt in ihren öffentlichen Übersichten zurück. Belegt ist, dass die höchste Belastung der Kaiserswerther Seen im Lambertussee gemessen wurde. Kursierende vier- oder fünfstellige Grundwasserwerte ohne nachvollziehbare Messstelle und Datum geben wir hier bewusst nicht wieder.
Aktuelle Entwicklungen 2025/2026
- Gartenbrunnen-Verbot erneuert: Am 1. Mai 2025 hat Düsseldorf die Nutzungsverbote erneuert. Die Allgemeinverfügung läuft bis zum 30. April 2035 — ein Hinweis darauf, dass die Stadt mit einer sehr langfristigen Belastung rechnet.
- Sanierung läuft seit 2015: Die erste große Grundwassersanierungsanlage am Flughafen ist seit November 2015 in Betrieb; zwei weitere hydraulische Sicherungen kamen 2016 dazu. Sie sollen verhindern, dass belastetes Grundwasser weiter Richtung Kaiserswerth abströmt.
- Belastungsgebiete werden überwacht: Die ausgewiesenen Gebiete werden weiter beobachtet und bei neuen Erkenntnissen angepasst — wer heute außerhalb liegt, kann künftig betroffen sein und umgekehrt.
Was kannst du als Haushalt tun?
- Prüfen, ob dein Grundstück im Belastungsgebiet liegt — die Stadt Düsseldorf weist die betroffenen Bereiche aus. Das ist besonders relevant, wenn du einen Gartenbrunnen besitzt oder Gemüse anbaust.
- Gartenbrunnen in den Verbotsgebieten nicht nutzen — auch nicht zum Gießen von Nutzpflanzen oder zum Befüllen von Planschbecken. Das Verbot gilt bis 2035.
- Trinkwasseranalyse deines Versorgers anfragen, wenn du für deine eigene Adresse einen konkreten aktuellen Zahlenwert möchtest. Die Auskunft ist kostenlos.
- Passenden Filter wählen: Unser PFAS-Filter-Finder empfiehlt dir basierend auf Nutzung und Budget einen geeigneten Filtertyp — siehe auch unseren Vergleich Aktivkohle oder Umkehrosmose.
Welcher Filter passt für Düsseldorf?
Für die meisten Haushalte in Düsseldorf: Aktivkohlefilter. Da die Stadt das öffentliche Leitungswasser als nicht PFAS-belastet einstuft, geht es für die meisten Düsseldorfer Haushalte um zusätzliche Vorsorge, nicht um akute Gefahrenabwehr. Ein guter Blockkohlefilter deckt diesen Anspruch ab, ohne die laufenden Kosten und den Wasserverbrauch einer Umkehrosmose-Anlage.
Wohnst du in Lohausen, Kaiserswerth oder einem anderen ausgewiesenen Belastungsgebiet und möchtest maximale Sicherheit — etwa für Säuglingsnahrung — ist eine Umkehrosmose-Anlage die konsequentere Wahl, weil sie auch kurzkettige PFAS zurückhält. Für Gartenbrunnenwasser ist übrigens kein Haushaltsfilter die richtige Antwort: Dort gilt schlicht das behördliche Nutzungsverbot.
Wichtig: Diese Einschätzung beruht auf der bekannten Belastungssituation der Region, nicht auf einer Messung an deiner Adresse. Den verlässlichsten Wert liefert die kostenlose Trinkwasseranalyse deines örtlichen Wasserversorgers. Diese Seite ersetzt keine medizinische oder behördliche Beratung.
Häufige Fragen
Ist das Leitungswasser in Düsseldorf PFAS-belastet?
Nach Angaben der Landeshauptstadt Düsseldorf ist das Wasser aus dem öffentlichen Netz nicht PFAS-belastet und kann unbedenklich verwendet werden. Für das Wasserwerk Kaiserswerth gibt die Stadt an, dass der PFAS-Vorsorgewert stets deutlich unterschritten wurde. Ein öffentlich veröffentlichter Zahlenwert für die Summe PFAS-20 nach Inkrafttreten der neuen Grenzwerte im Januar 2026 liegt uns allerdings nicht vor. Belastet ist vor allem das oberflächennahe Grundwasser in bestimmten Stadtteilen — das ist nicht dasselbe wie dein Leitungswasser.
Warum sind Gartenbrunnen in Düsseldorf verboten?
Am 1. Mai 2025 hat die Stadt Düsseldorf die Nutzungsverbote für Gartenbrunnen in den PFAS-Belastungsgebieten erneuert. Die zugehörige Allgemeinverfügung gilt bis zum 30. April 2035. Grund ist, dass das oberflächennahe Grundwasser dort mit PFAS belastet ist und im Gegensatz zum Leitungswasser keinerlei Aufbereitung durchläuft. Die Belastungsgebiete werden weiter überwacht und können bei neuen Erkenntnissen angepasst werden.
Woher stammt die PFAS-Belastung in Düsseldorf-Nord?
PFAS wurden 2007 im Rahmen der Grundwasserüberwachung entdeckt. Auf dem Flughafengelände identifizierte die Stadt mindestens vier Eintragsbereiche: ein ehemaliges Feuerlöschübungsbecken, die Unfallstelle einer Atlas-Air-Frachtmaschine, die Feuerwache Nord und ein Tanklager. Die Belastung geht damit überwiegend auf Löschschaumeinsätze und den Flughafenbetrieb zurück. Insgesamt dokumentiert die Stadt drei größere PFAS-Grundwasserverunreinigungen im Stadtgebiet.
Andere betroffene Regionen
Auch andernorts sind PFAS-Fälle behördlich dokumentiert: im Landkreis Altötting (Chemiepark Gendorf), in Rastatt und Baden-Baden, am Flugplatz Manching und in Willich am Niederrhein.
Quellen
- PFAS-Verunreinigung in Düsseldorf-Nord (Lohausen/Kaiserswerth) — Landeshauptstadt Düsseldorf
- Grundwasserverunreinigungen durch PFAS im Stadtgebiet — Landeshauptstadt Düsseldorf
- Die Landeshauptstadt erneuert das Nutzungsverbot von Gartenbrunnen (28.04.2025) — Pressedienst der Landeshauptstadt Düsseldorf